Bildung als Investition in die Zukunft und zur Förderung der Chancengleichheit!

Bildung ist eine rentable Investition in die Zukunft - dies wurde bereits vor Jahrzehnten durch zahlreiche Studien belegt und durch aktuelle Forschungsergebnisse immer wieder bestätigt. Bildung lohnt sich nicht nur privat, sondern auch gesamtwirtschaftlich, fiskalisch und gesellschaftlich.

Siehe dazu beispielsweise:

Bildungsrendite CH 2004, Bildungsrendite CH 2018,

Armutsrisiko.

In diesem Sinne:

Sparen auf Kosten der Bildung ist nicht nachhaltig und schadet der Schweiz.

Für eine starke Bildung im Kanton Aargau braucht es insbesondere motivierte und qualifizierte Lehrpersonen, welche auch längerfristig im Beruf bleiben, denn Lernerfolg hängt zu einem wesentlichen Teil von der Lehrperson ab (Hattie-Studie). Ich setze mich zudem ein für frühe Deutschförderung, Unterstützung von Jugendlichen beim Berufseinstieg und flexible Lösungen für besondere Kinder - zur Förderung der Chancengleichheit.

 
 

Sommerferien und die alljährliche Suche nach Lehrpersonen


In der Schweiz sind qualifizierte Lehrpersonen, welche auch längerfristig im Beruf bleiben Mangelware - im Aargau ist die Situation besonders prekär (siehe Berichte LCH, ALV (2019), SRF). Wie alljährlich sind in den Sommerferien noch Dutzende Stellen offen. "Am Ende hätte man es immer geschafft alle Stellen zu besetzen" - die Frage ist nur durch wen. Da gibt es Piloten und Meteorologinnen, welche plötzlich Lehrpersonen sind (ohne entsprechende Ausbildung oder Erfahrung mit Kindern), Studierende ,welche sich zu dritt eine 1. Klasse teilen, 73-jährige, welche sich überzeugen lassen doch nochmal ein Jahr zu unterrichten - und dies sind alles reale Beispiele. Wir müssen Bedingungen schaffen um diese Situation zu entschärfen, denn Lernerfolg hängt zu einem wesentlichen Teil von der Lehrperson ab (Hattie-Studie).

Der hohe Lohn

Der viel diskutierte Lohn ist dabei nur eine Komponente. Und auch wenn dieser auf den ersten Blick für manch eine*n sehr hoch erscheint, so zeigt der kantonale Vergleich auf: Lehrperson sein lohnt sich im Thurgau und in Zürich deutlich mehr als im Aargau. Zürich bezahlte Junglehrer*innen 2019 im Jahr 91'200 Franken, das sind 13'500 mehr als im Aargau (77'700). Dementsprechend mit ein Grund, warum uns die Lehrpersonen im Aargau schwinden. Aktuell überarbeitet der Kanton das Lohnsystem der Lehrpersonen, neu soll insbesondere nicht nur die Variable "Alter" ausschlaggebend sein - ein Schritt in die richtige Richtung.

13 Wochen Ferien und jeden Tag um 16:00 fertig.

Glücklicherweise bröckelt dieses Bild in den Augen vieler langsam aber sicher. Die Realität ist nämlich eine andere. Jede*r der einmal eine Kindergeburtstagsparty für zwölf 5-Jährige minutiös geplant und durchgeführt hat weiss wie aufwendig und schlussendlich anstrengend das sein kann - in diesem Sinne, gerade Kindergarten- und Primarlehrpersonen verdienen meinen grössten Respekt.

In meiner mehrjährigen Erfahrung als Klassenlehrperson im Untergymnasium habe ich zudem gelernt, dass bereits ein oder zwei Kinder mit anspruchsvollem Hintergrund (sei das familiär oder aber auch gesundheitlich wie z.B. Magersucht) die Arbeitsbelastung enorm steigert - und Klassen ohne solche Kinder sind eine Seltenheit.

Das Elternmagazin Fritz und Fränzi hat zum Thema «Lehrer haben doch immer frei!» einen wie ich finde gelungenen Artikel veröffentlicht.


Wo sind nur alle die ausgebildeten Lehrpersonen geblieben?

So ganz genau weiss das niemand.

Ich selber habe der Schule den Rücken zugekehrt - mit einem weinenden Auge, denn ich habe meine Arbeit geliebt und ich vermisse es, die Schüler*innen in Ihrer Entwicklung zu begleiten. Meine jetzige Arbeit als Hochschuldozentin bietet aber bessere Arbeitsbedingungen, weniger psychische Belastungen und ist demnach besser vereinbar mit Familie und Politik. So wie mir geht es vielen. Ausgebildete Lehrpersonen gäbe es im Grunde nämlich genügende, nur entscheiden sich (zu) viele kurz- oder längerfristig den Beruf aufzugeben oder den Kanton zu wechseln. Das müssen wir ändern, indem Arbeitsbedingungen geschaffen werden, welche motivierte und qualifizierte Lehrpersonen im Beruf halten - der Lohn ist dabei nur eine Komponente und vielleicht nicht mal die ausschlaggebende. Pauschallösungen gibt es keine. Viele kleine Schritte führen zum Ziel, ich denke da je nach Schulstufe an eine erweiterte Entlastung der Klassenlehrpersonen, mehr Assistenz- oder Teamteachinglektionen, engere Begleitung von Junglehrpersonen und nicht zuletzt eine gesellschaftliche Aufwertung des Berufes.

 

Weitere Themen der Bildungspolitik

Hier finden sich einige weitere Themen der Bildungspolitik, welche mich bewegen. Die Liste ist bei weitem nicht abschliessend.

Frühe Deutschförderung

Kaum etwas lohnt sich mehr.

Einige Kinder kommen in den Kindergarten ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Dies stellt das Kind, die Mitkinder und die Kindergarten- und DaZ-Lehrperson vor grosse Herausforderungen. Einige dieser Kinder können diesen Rückstand über die gesamte Schulzeit nicht mehr aufholen. Das Widerspricht jeglichem Anspruch auf Chancengleichheit.

Das Kind trägt hier weder "Schuld" noch hat es die Möglichkeit entgegenzuwirken - es ist die Aufgabe unseres Bildungssystems und wird sich längerfristig wirtschaftlich und fiskalisch rentieren. 

Der Kanton Aargau lanciert aktuell ein Pilotprojekt zur frühen Deutschförderung. Hier heisst es dranbleiben!

Image by Jerry Wang
Teen mit Skateboard

Unterstützung von Jugendlichen beim Berufseinstieg

Die heikle Übergangsphase

In der Schweiz löst laut einer Studie des Schweizer Observatorium für Berufsbildung jede*r  vierte Jugendliche den Lehrvertrag vorzeitig auf.  Laut Statistik sind Jugendliche ohne Lehrabschluss einem grossen Risiko ausgesetzt, langzeitarbeitslos zu werden oder zu Niedriglohnarbeit gezwungen zu sein. Laut Bildungsbericht 2018 schliesst etwa jeder zehnte junge Erwachsene auch bis zum 25. Lebensjahr keine Ausbildung ab. Fehlende Bildung gilt in der Schweiz als eines der grössten Armutsrisiken überhaupt. Dies hat erhebliche negative Folgen - auf privater, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene. Hier braucht es griffige Massnahmen sowohl in der  Berufswahl als auch in der Weiterbildung der Lehrlingsbetreuenden und der Begleitung der Jugendlichen über die Schulzeit hinaus.

Besondere Kinder

Alle Kinder sind besonders - einige ein bisschen mehr als andere.

Das Modell der integrativen Schule mag für viele Kinder förderlich und der richtige Weg sein - aber nicht für Alle. Hier soll das Bildungssystem Hand bieten und auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder Rücksicht nehmen. In diesem Sinne würde ich zum Beispiel eine wieder flächendeckende Einführung der Einschulungsklasse begrüssen. Aber auch diese ist nur eine Standardlösung - wir brauchen Variantenreichtum und flexible Lösungen, denn Kinder sind verschieden.

freckled Kid
 
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